Mein Konto ist gepfändet. Wozu brauche ich eine P-Kontobescheinigung?

Soweit Sie als Kontoinhaber noch kein P-Konto vorsorglich eingerichtet haben, müssen Sie zuerst bei Ihrer Bank persönlich vorsprechen und das bestehende Konto in ein pfändungsfreies Konto, ein sogenanntes P-Konto, umwandeln. Eine P-Konto-Bescheinigung ist danach nur erforderlich, wenn die monatlichen Zahlungseingänge auf diesem Konto den Grundfreibetrag von 1.133,08 € übersteigen. Weitere Beträge können nur auf Nachweis und Vorlage einer entsprechenden Bescheinigung freigegeben werden.

Unter welchen Voraussetzungen ist ein erhöhter Freibetrag möglich?

Soweit Sie Unterhaltspflichten für den Ehegatten oder Kinder nachweisen können. Die Unterhaltsleistungen können einerseits in Form des Naturalunterhalts bei unterhaltsberechtigten Personen, die mit Ihnen in einem gemeinsamen Haushalt wohnen, erfolgen. Als Nachweis dient in diesem Fall beispielsweise die Vorlage eines Bescheides über die Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts gemäß SGB II oder SGB XII. Weiterhin können Kindergeldbeträge ergänzend freigegeben werden, wenn der Zahlungseingang von Kindergeld durch Kontoauszüge nachgewiesen ist. Es können durch entsprechende Nachweise auch einmalige Sozialleistungen zusätzlich freigestellt werden, wenn die Zahlungen auf diesem Konto eingegangen sind.

Voraussetzung ist jedoch die Vorlage einer sogenannten P-Konto-Bescheinigung, welche beispielsweise durch unsere Beratungsstelle als gemeinnützig anerkannte Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle ausgestellt wurde, durch den Kontoinhaber bei seiner Bank. In besonderen Fällen, kann ein individuell festgesetzter Freibetrag mittels eines Beschlusses bei höheren Einkünften und Sonderfällen durch Antrag des Kontoinhabers beim zuständigen Vollstreckungsgericht bzw. durch Bescheid bei öffentlich-rechtlichen Forderungen von der Vollstreckungsbehörde erwirkt werden.

Welche erhöhten Freibeträge können gegenwärtig bescheinigt werden?

So steht Ihnen für die erste Person, der Sie aufgrund des Gesetzes Unterhalt gewähren (zum Beispiel Ehepartner, Kind) ein weiterer Freibetrag von 426,71 Euro zu. Hinzu kommen zusätzliche Freibeträge von jeweils 237,73 Euro, sofern Unterhalt für weitere Berechtigte geleistet wird. Gleiches gilt, sofern Sie für sich und andere Personen in einer Bedarfsgemeinschaft (neben dem eigenen Kind zum Beispiel auch Lebensgefährtin, Stiefkind) Leistungen entgegennehmen.

Unterhaltspflichtige Personen Freibetrag in Euro
1 1.560,51
2 1.798,24
3 2.035,97
4 2.273,70
5 2.511,43

Hinweis: Neben den anerkannten Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatungsstellen können auch der Arbeitgeber, die Familienkassen, die Sozialleistungsträger oder Rechtsanwälte die Bescheinigungen ausstellen.

Wann kann ich eine solche Bescheinigung in der Beratungsstelle bekommen?

Soweit Sie bei uns noch nicht Klient sind, können Sie ohne Anmeldung jederzeit innerhalb unserer öffentlichen Sprechzeiten bei uns vorsprechen, damit wir Ihnen die P-Konto-Bescheinigung ausstellen können. Wir empfehlen Ihnen jedoch, ggf. bei uns zuvor telefonisch anzufragen, welche Nachweise Sie im Einzelfall mitbringen müssen, damit wir Ihnen sofort in der öffentlichen Sprechstunde die Bescheinigung ausstellen können und Nachweise nicht noch nachgereicht werden müssen.

Beachte:
Soweit Sie Kenntnis von Ihrer Bank über eine Kontopfändung bzw. über die Notwendigkeit der Vorlage einer P-Konto-Bescheinigung erhalten, müssen Sie umgehend handeln, damit die Zahlungseingänge freigestellt werden können. Die Bank kann bei Veränderungen der persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse bzw. nach den AGB ggf. auch jährlich eine neue Bescheinigung verlangen.

Sonderfälle!
Erhalten Sie regelmäßig Zahlungen unterhalb Ihres Freibetrages, können Sie beim Vollstreckungsgericht gemäß § 850 l ZPO für jeweils maximal 12 Monate die „Anordnung der Unpfändbarkeit“ des Kontoguthabens beantragen. Damit ist das Konto insgesamt frei, alle Pfändungen laufen für diesen Zeitraum ins Leere und Ihr Kreditinstitut muss weder Freibeträge beachten noch Überwachungen durchführen. Das ist für alle Bezieher von geringen, regelmäßigen Einkünften unterhalb des Freibetrages sinnvoll sowie bei einer Doppelpfändung von Lohn und Konto. Anhand Ihrer Kontoauszüge müssen Sie den unpfändbaren Geldeingang nachweisen.

Falls Sie weitere Fragen zur Kontopfändung oder die Erteilung einer P-Konto-Bescheinigung haben, können Sie uns jederzeit im Rahmen der öffentlichen Sprechstunden bzw. als Klient mittels einer kurzfristigen Terminvereinbarung ansprechen.

Ihr eibe-Team